Fortschritt ohne Entwicklung? Besser werden, ohne zu lernen?
Als ich mir heute die Beschreibung eines Spieles und den Inhalt der Bonusversion durchlas, musste ich kurz innehalten. Mir fiel auf, dass hier all das vereint war, was mir an aktuellen Spielen zu wider ist und dass es zum Teil auch bei Magic vorkommt.
Es geht um die Limited Edition von Battlefield: Bad Company 2.
Hier bekommt man für ein paar Kröten extra unter anderem: Besser gepanzerte Fahrzeuge, besser bewaffnete Fahrzeuge, bessere Zielhilfe in Fahrzeugen.
Aha… Damit ich also im Spiel besser bin soll ich extra Geld ausgeben? Die Anbieter haben ihre Kunden offenbar verstanden. Niemand möchte mehr Trainieren und Zeit in ein Spiel investieren, um es zu meistern, sondern lieber durch das ausgeben von Geld einfach mal besser sein, als die, die das nicht tun. Super! Und im Spiel geht es dann vermutlich weiter. Man bekommt neue Waffen über Achievements. Diese neuen Waffen sind dann vermutlich zum Teil strikt besser, als die Anfangswaffen. Man bekommt also nicht mehr Diversität (z.B. niedrigere Feuerrate aber dafür mehr Schaden für Leute mit gutem Aiming) sondern einfach einen Vorteil für die investierte Zeit. Unabhängig davon, ob man wirklich besser wird, oder nicht.
Ich habe das Spiel noch nicht gespielt, ein Kumpel von mir schon und er schwärmt davon. Aber ich frage mich, wie sinnvoll es ist, einfach für mehr zocken belohnt zu werden. Da wird ein Gefühl von Verbesserung erzeugt, das aber nicht von wahrer Verbesserung herrührt. Genau so bei League of Legends. Da wird man auch durch Geld oder Zeit einfach über Achievements (genannt Ränge) strikt besser, als der Anfänger, egal, ob man wirklich besser spielt, als dieser. Nicht, dass ich da dank meiner DotA Erfahrung nicht trotzdem gut abgegangen wäre, aber es ist einfach absurd und unfair. Es macht mir keinen Spass und ich bin wieder bei DotA gelandet.
Die ignorante Masse wird es nicht stören, denn sie erkennt nicht, dass nicht sie selbst, sondern nur ihr Arsenal/Account besser wird. Sie freuen sich über diesen Pseudoerfolg oder geben geblendet noch mehr Geld aus, um ihre Performance zu erhöhen. Mich aber stört es, wenn nicht mein Skill ausschlaggebend ist, sondern in ganz besonderem Maße mein Material. Wo ist da der Sieg zu begründen, wenn ich von vorne herein durch Faktoren, die nichts mit meinen wirklichen Fähigkeiten zu tun haben, überlegen war? Ich fange ja bei Monopoly auch nicht mit vier Straßen an und die anderen habe noch nichts.
Ich bin es noch gewohnt, bei einem Spiel einzusteigen und von den Pros und Nerds, die schon mehr Erfahrung haben, geplättet zu werden, oder durch mein Talent und meine vorangegangenen Erfahrungen mit Spielen dieser Art gut mithalten zu können. Das ist fair. Jeder hat die gleichen Mittel, manche Spieler sind aber schlicht besser, als andere. Und für mich steht bei jedem Spiel der Character des fairen Kräftemessens im Vordergrund.

Das erste mal gemerkt habe ich dieses “jeder kann gewinnen” Ding bei Mario Kart. Der gottverdammte blaue Panzer. Ich will jetzt keine Statistik aufstellen, wer die Dinger meistens abbekam, aber ich glaube so overall habe ich 80% der blauen Panzer direkt gefressen oder war als zweiter im Radius drin. Dass die letzten Spieler strikt bessere Items bekamen und um einiges schneller wurden, als die vorderen, war mir ja noch total egal, da ich grüne Panzer und rote Panzer mit gleicher Trefferwahrscheinlichkeit loswurde. Wenn man überlegen war machte der Panzer es einem nur manchmal zu nichte. Die Übung und das Talent führten dazu, dass man trotzdem gewann. Es war zwar etwas nervig, aber nicht so schlimm.
Diesen Ansatz allerdings sieht man im Moment immer öfter und es wird auch immer krasser, wie den Leuten für “besser sein” Geld aus der Tasche gezogen wird, oder per Achievements oder Rängen jedem Horst das Gefühl langsam zum Überpro heranzureifen gegeben werden muss.
Bevor ich weitermache noch ein Video. Ich freue mich wahnsinnig auf das im Sommer erscheinende Album von The Gaslight Anthem. Ein Song vom Album ist schon auf Youtube hochgeladen. Schöner, ehrlicher amerikanischer Punkrock. Und damit meine ich nicht diese rotzig-nölige Schule, sondern eher in Richtung Social Distortion.
Was hat das jetzt mit Magic zu tun?
Ich glaube wir sind dem “blauen Panzer” Stadium schon lange entstiegen. Es war in Magic schon immer so, dass mehr Geld bessere Karten bedeutete, das war Teil des Spiels. Aber durch die Tournament Staples im Mythic Rang sind wir jetzt so weit, dass es einen Grenzwert gibt. Die meisten Karten kosten so gut wie nichts, aber ein paar erlesene, besonders starke Karten kosten so viel, dass sie sich der FNM Spieler nicht leisten kann und andere sie sich nicht leisten wollen. Entweder man hat Jace, the Mind Sculptor, oder nicht. Es gibt also das Proletariat, das sich diese vorzüglichen Kärtchen nicht leisten kann oder will und wir haben die Besitzenden, die Bourgeoise der Magicsammler. Das wäre alles kein Problem, wenn es denn noch so etwas wie das Budget-Deck gäbe. So MonoR Sligh zu Kamigawa Mirrodin Zeiten (nach Bannings). Ok, Chrome Moxe waren teuer, aber auch nur so 10-15 Euro das Stück, der Rest des Decks kostete fast nichts.
Eines der aktuellen Budget-Decks ist interessanterweise Jund mit Kosten knapp über 100 Euro (ganz grob geschätzt). Aber hier kommen wir zum nächsten Problem. Jund ist verdammt stark. So stark, dass es über einen Tag gesehen eigentlich nur von anderen Jund Decks besiegt wird. Es ist nicht wie Ravager Affinity (ohne Clamp), das bei ungeübten Spielern gut und bei Experten nahezu unbesiegbar war. Nein, es wurde angeglichen. Die Edge, die ein geübter Jundspieler kriegen kann ist zwar vorhanden und auch merklich, aber eben doch nicht so krass, wie es in anderen Mirrors der Fall ist (vermutlich unter anderem wegen der Option auf dämliche Cascades).
Genau so wird im Limited die Qualität der Karten so angeglichen und ersichtlich gemacht, dass es nicht - wie früher - immer mal wieder vorkam, dass jemand aus einem Hammerpool einfach ein absolut beschissenes Deck baut, weil er die Karten falsch einschätzt. Die Masse der Spieler nimmt das vermutlich als Skill wahr. Mir ist die Herauforderung abhanden gekommen, Dinge zu erkennen, die nicht offensichtlich sind. Klar gibt es auch im Moment schwere Pools und Entscheidungen, die nicht offensichtlich sind, aber die Gefahr sich böse zu Verrennen wurde so gut wie ausgemerzt.
Noch bekommt man nicht als Player Rewards Vanguard Karten, die einem eine Handkarte extra geben oder sowas in der Art. Aber trotzdem lässt sich hier eine umfassende Entwicklung erkennen.
Aber es ist duchaus verständlich. Welche Familienspiele sind unbeliebt? Trivial Pursuit wollen die wenigsten Spielen, weil sich hier eben so gut wie alles über die geistige Kompetenz oder die Interessen entscheidet. Manche Leute KÖNNEN bei diesem Spiel einfach nie gewinnen. Daher macht es den wenigsten Leuten überhaupt Spass. Beliebt sind Spiele mit Würfeln und geringen strategischen Entscheidungne (Die Siedler von Catan) oder Spiele bei denen eben im Team herumgealbert wird. Magic will auch erfolgreich sein, also möchte es auch allen Chancen geben. Als profitorientiertes Unternehmen möchten sie diese “Gleichheit” aber verkaufen und nicht verschenken.
Noch hat diese Angleichung in meinen Augen kein kritisches Niveau erreicht, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Magic früher ein besseres, ein spassigeres Spiel war. Zumindest für mich.
In den aktuellen Standard GP Top8 waren, soweit ich das sehe, keine Pros vertreten. Das ist etwas ziemlich ungewöhnliches. Normalerweise kann sich immer der ein oder andere eine Edge holen, selbst wenn es ein definiertes bestes Deck gibt. Aber Jund, als der große Gleichmacher, scheint auch den Pros die Zähne zu ziehen.
Wie seht ihr das? Gefällt euch diese Entwicklung bei Computerspielen? Seht ihr das bei Magic genau so oder anders? Teilt ihr das Gefühl, dass Magic langsam aber konstant immer ein wenig anspruchsloser und ausgeglichener wird? Ich freue mich auf Eure Ansichten und Kommentare.
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