Die Tatsache, dass der Grand Prix Stuttgart ein Limited-Event war, sowie der Umstand, dass mein neues Studium unerwartet zeitaufwändig ist, hielten mich davon ab, PlanetMTG als Coverage-Reporter zur Verfügung zu stehen.
Immerhin ließen meine hartnäckigen Absagen TobiH genug Zeit, um Ersatz zu suchen. Und den hat er in Thomas Jungmann, Huy Dinh und Mathias Passin (mit dem ich in Florenz kooperiert habe) auch gefunden. Ein gutes Team!
Mathias glänzt als Feature Match-Maschine und kann - das weiß ich aus eigener Erfahrung - getrost in jeder Runde eingesetzt werden, ohne Ermüdungserscheinungen zu zeigen.
Thomas Jungmann schien der Mann für die atmosphärisch-umschreibenden Blogs zu sein, während Huy Dinh sich als eierlegende Wollmilchsau entpuppte: Sehr lesbare und kompakte Schreibe in Feature Matches und Blogeinträgen - guter Mann! Umso neugieriger bin ich, warum er am zweiten Tag ausgefallen ist…
Nun fällt auf, dass nach einem prall gefüllten ersten Tag (ich zähle acht Feature Matches, neun Deck Features und 14 Blogeinträge!) irgendwie der Wind raus ist. Woran liegt das? Ich will versuchen, die Situation ein wenig zu beleuchten, um Aufklärung zu bieten.
Das Phänomen ist nicht neu. Bisher schwächelte jede Coverage, an der ich selbst mitgearbeitet habe, am zweiten Tag - insbesondere, wenn man sie mit dem ersten vergleicht. Das hat mehrere Gründe:
Zunächst passiert am zweiten Tag einfach weniger. Isso. Wo anfangs eine Spielerschaft von über 1.000 Individuen lustige Stories, DQs, Bilder, Skandälchen und Geschichten ausdünstet, kämpft später nur noch ein knappes Zehntel davon umso verbissener und ernster um den Einzug in die Top 8. Da schlendert man eben nicht frohen Mutes durch die Halle und unterhält seine Mitmenschen (und die großen Ohren der Reporter) mit Stories, sondern konzentriert sich auf sein Spiel.
Ein zweiter Faktor ist Müdigkeit. Und das ist kein weinerliches Geheule, sondern Fakt: Coverage-Reporter verlassen die Halle zuletzt (abgesehen von Stühleschleppern und Co.).
Dieses Bild lügt nicht und ist in der Tat die Regel - auch für die Reporter von PlanetMTG. Die Folge ist ein hartes Schlafdefizit, da man auch pünktlich zu Beginn der ersten Runde wieder da sein sollte. Dass man so nicht - wie am Vortag - zehn Stunden konzentriert Output produzieren kann, liegt auf der Hand und ist nur menschlich. Sollte also niemandem angelastet werden (andererseits bitte ich von einer Heroisierung der Schreiber abzusehen).
Beide Defizite bekommt der Leser gewöhnlich nicht mit, sondern stellt nur fest, dass weniger Inhalt produziert wird. Da ist es nur verständlich, dass man skeptisch wird: Haben die keine Lust mehr? Sitzen auf ihrem faulen Arsch und essen Gummibärchen?
Mitnichten!
Im Falle des vergangenen GP kommt hinzu, dass Huy Dinh ausfällt (warum?!) und TobiH sich um den PlanetMTG-Draft kümmern muss. Und wenn Tobi fehlt, ist das auch wieder so eine Sache: Er ist für gewöhnlich der Einzige, der das fossile Interface der Seite beherrscht und Content platzieren kann. Als “Bottle Neck” geht jeder Beiträg zwingend durch seine Hände, bevor er veröffentlich wird.
Sollte nicht so sein. Ist aber so.
Angesichts der Situation fällt mir auf, wie wenig doch eigentlich kritisiert wurde. Einmal habe ich ungewollt boshaft gefragt, ob nach diesem mageren zweiten Tag denn wenigstens die Top 8 gecovert werden würde, ansonsten finden sich lediglich zwei Leute, die sich einig darüber sind, dass die Coverage eine “schwache Vorstellung” (Kommentare #7 und #8) gewesen sei. Hier (#1) kommt die Berichterstattung als “knapp” weg.
Bilanziert man die Kommentare unter der Coverage selbst und unter ihren Elementen (”bilanzieren” könnte man auch durch “gierig lesen” - wie wir Reporter das in der Tat tun - ersetzen), so fällt auf: Die meisten Kommentare beziehen sich inhaltlich auf die geleistete Arbeit. Sie präzisieren, stellen in Frage, fragen oder konstatieren. Der andere Teil kritisiert die Coverage selbst und ein ganz kleiner Teil besteht aus Lob für die nahezu unentgeltlich geleistete Arbeit.
Auch das ist nur natürlich: Es meckert sich eben leichter, als dass es sich lobt.
TobiH macht dabei aber einen Fehlschluss:
“Insgesamt hat die Berichterstattung vom GP Stuttgart sehr wenig Kommentare bekommen, sodass ich mich frage, ob sie überhaupt auf Interesse stößt.”
Meiner Erfahrung nach gibt nicht die Anzahl der Kommentare unter einem Beitrag Aufschluss über das Interesse an ihm. Sondern: Das, was schmeckt, wird stillschweigend genossen, geschluckt und verdaut. Wenig Kommentare bedeuten gute Bekömmlichkeit. Wenn mir etwas übel aufstößt - dann schreibe ich, klar! Aber wenn etwas meine Erwartungen einfach nur erfüllt (ohne mich jetzt zum glücklichsten Menschen aller Zeiten zu machen), dann bin ich zufrieden und ruhig.
So ist es eben:
Lob kostet Kraft, Kritik findet sich immer. Und: Wer schweigt, stimmt zu. Ausbleibende Kommentare können ein Zeichen für mangelndes Interesse sein. Im Falle der Berichterstattung des größten deutschen Magic-Turniers aller Zeiten müssen sie aber sagen: “Ist gut. Weiter so.”