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Mensch aus der Vergangenheit will von A nach B

Es mag total hanebüchen klingen und manchen wird es Angst machen, aber ich habe erschreckende Neuigkeiten: Es gibt Menschen, die keinen privaten Zugriff auf das World Wide Web haben.

Kein Witz.

Ich weiß, es ist unfassbar. Und äußerst bemitleidenswert. Was machen diese Menschen den ganzen Tag? Ich kann nur vermuten:

- sich lausen,
- andere, ähnlich antike Leute lausen,
- Läuse essen,
- schlafen,
- nach dem Aufstehen erstmal einen frischen Läusetee,
- danach Weib mit Keule betäuben und Junge zeugen,
- sie während dem Akt lausen,
- ihr ein paar Läuse abgeben,
- denn sie muss ja nach dem Abkalben den Wurf ernähren,
- Feuer erfinden,
- zur Feier des Tages ein paar Läuse ins Feuer werfen,
- Brunftschreie,
- Rad erfinden,
- irgendwo runterfahren,
- zerschellen.

Eine dieser Kreaturen rief mich heute an, äh, nein, er entzündete Signalfeuer und produzierte damit Rauchzeichen, um mir zu sagen, dass ich doch mal für ihn bloggen solle, ganz pragmatisch. Er muss von A (wobei A = Dingolfing/Landshut) nach B (wobei B = Salzburg, AU), um sich dort für die Entdeckung Amerikas zu qualifizieren. Aber vielleicht sind die Läuse in Austin auch von exquisiter Qualität, das kam über den Birkenholzqualm nicht so genau rüber.

Wer also zwei Autoslots frei hat und von ungefähr A nach genau B fährt, möge doch einmal an

Martin.Brenner1@googlemail.com

trommeln. Der ist bestimmt dankbar und spendiert ein paar Pediculus humanus capitis für die lange Fahrt.

Gut Holz!

Extended infiltriert! Oder: Elvish Piper trifft Tarmogoyf

Zur Zeit geschehen seltsame Dinge in der Magic-League. Dinge, die nicht oft passieren und nach der Meinung vieler Leute auch nicht passieren sollten. Vielleicht sogar Dinge, die Magic als Strategiespiel und insbesondere die damit verbundene Empirie höchst anzweifelbar machen.

Die Geschichte beginnt mit einer Deckliste.

2 Figure of Destiny
2 Elvish Piper
4 Woolly Thoctar
4 Realm Razer
4 Wilt-Leaf Liege
4 Kitchen Finks
3 Bloom Tender
3 Birds of Paradise

2 Shield of the Oversoul
3 Naya Charm
3 Magma Spray
2 Garruk Wildspeaker
2 Ajani Vengeant

2 Jungle Shrine
1 Wooded Bastion
4 Treetop Village
2 Reflecting Pool
2 Mutavault
4 Karplusan Forest
2 Fire-Lit Thicket
3 Brushland
2 Battlefield Forge

Sideboard:
3 Oblivion Ring
2 Cloudthresher
3 Austere Command
4 Guttural Response
3 Condemn

In einem Standard-Trial vom 15. Januar 2009 belegt ein gewisser SilverMcHowl damit den zweiten Platz. Und wer die Diskussionskultur der Magic-League kennt, wird nicht überrascht sein, dass man in den Kommentaren mit entsprechenden Todesurteilen ob etwaiger zweifelhafter Karten - etwa Elvish Piper - schnell bei der Hand ist.

Aber das juckt SilverMcHowl nicht.

Bereits vier Tage später fährt das Deck erneut eine gute Platzierung - hier sogar die bestmögliche - in einem Standard-Trial ein. Die Deckliste hat sich dabei kaum geändert: Shield of the Oversoul mussten raus, dafür gibt es mehr Ajani und Figure. Kaum der Rede wert. Auch hier wird wieder heftig über die Inklusion von Elvish Piper debattiert. Man einigt sich schließlich darauf, dass er es auch nach einem resolvten Realm Razer erlaubt, fette Klobos zu beschwören. Immerhin.

Soviel zu SilverMcHowls Eroberung des Standard-Formats. Die eigentliche Sensation kommt jetzt: In einem Extended-Trial vom 24. Januar spielt der Brite ebenfalls Naya… Standard-Naya. Seine Liste ist zu 100 Prozent T2-legal. Überflüssig zu erwähnen, dass er in diesem Trial den zweiten Platz belegt. Wohlgemerkt in einem Feld aus Affinity, neuerdings Doran, Elfen, Wizards und Hastenichtgesehn. Keine Ravnica-Duals, keine Lightning Helix - stattdessen nach wie vor Magma Spray und Karplusan Forest.

Im Kommtentarthread zum Trial fasst ein gewisser R4nd0m die Reaktion der Allgemeinheit treffend zusammen:

I only have 3 words:
what the fuck.

Eine sonderbare Fügung des Schicksals? Glück? Offenbar nicht: Den Trial vom 26. Januar, ebenfalls im Extended-Format, gewinnt SilverMcHowl schließlich mit seinem Naya-Konstrukt.

Die Sensation ist perfekt.

Oder, um es mit Kurse auszudrücken:

HAHAHAHAHAHAHAHAHAHHAAHHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHHAHAHAHAHA HE ****ING WON!!! HAHAHAHAHAHAHAHHAHAHA…

holy sh*t i can't stop laughing…

ahh…

HAHAHAHAHAHAHAHAHAHHAHAHAHAHAHAAHH

Wir fassen zusammen: Binnen elf Tagen belegt ein Spieler mit einem Standard-Deck zwei mal den zweiten und zwei mal den ersten Platz von je zwei Standard- und Extended-Turnieren im Single-Elimination-Modus.

Und alle sind ratlos. Versuchen, dieses Phänomen zu verstehen. Sie fragen sich, wie es passieren kann, dass in einem so ausdifferenzierten und hochgezüchteten Format, wie es das derzeitige Extended ist, ein Standard-Deck gewinnt, dessen Powerlevel selbst im heimatlichen Format anzweifelbar ist. Wenn T2-Faeries in anderen Formaten Erfolg haben, wäre das ja noch verständlich, immerhin ist es nach einhelliger Meinung das stärkste Deck. Aber Naya? Ein Rogue-Deck?

Das will niemand so recht begreifen.

Um dieses Kuriosum zu ergründen, gibt es natürlich mehrere Zugänge: War es Glück? Aber gleich so viel Glück auf einmal? Oder ist SilverMcHowl einfach ein brachial guter Spieler? Braucht er keine Extended-Karten, um das Format zu dominieren? Oder ist das Format dank Realm Razer und Bloom Tender gar gebrochen worden?

Oder - und wäre das nicht der Super-GAU? - ist das gute Abschneiden eines schlechten Decks im falschen Format nicht das Anzeichen dafür, dass die vielen tausend Stunden Playtesting, die ambitionierte Spieler voller Herzblut in ein Format investieren, am Ende vergebens sind? Dass doch der Zufall entscheidet?

Ich weiß es nicht. Ich gehe aber davon aus, dass viele schlaue Köpfe unserer Community zumindest eine Ahnung haben. Immerhin scheint das Phänomen so außergewöhnlich zu sein, dass sich selbst Level-100-Pro Paulo Vitor Damo da Rosa alias PV mit einem für seine Verhältnisse epischen Kommentar zu Wort meldet.

Seht euch die entsprechenden Threads an. Es ist wirklich sehr interessant zu beobachten, wie ein geschlossener Kreis von Experten mit einem absolut unvorhergesehenen und unerklärlichen Ereignis umgeht.

Und für hier würde ich mir Theorien von Jan Ruess, TrashT, Nico Bohny, Michael Diezel, TobiH, Andreas Pischner und all den anderen großen Köpfen unserer Community wünschen (was nicht heißt, dass andere Kommentare nicht willkommen wären - im Gegenteil!).

Magic und Massenmedien

Hätte mich ein Siegener Kollege nicht drauf aufmerksam gemacht, hätte ich es nie mitbekommen: Unser Spiel hat einen frischen TV-Spot, der zumindest heute mindestens einmal auf MTV lief. Dass die vergangenen Spots keine besonders offensiven Laufzeiten hatten, dürfte allgemein bekannt sein. Ich glaube, in 15 Jahren habe ich genau einen Nachmittags auf RTL 2 gesehen. Dabei bin ich zwar kein Intensivgucker, aber auch keiner der immer häufiger werdenden Abstinenzler…

Egal! Neue Homepage, neue Vermarktungsstrategien - neuer Werbespot. Wenigstens sind sie konsequent. Das ist er:


Der junge Mann, der da in dieser preapokalyptischen Großstadtszenerie rumspaziert, denkt sich folgenden inneren Monolog zusammen (ist transkribiert, gebe also keine Garantie auf Richtigkeit):

I have summoned guardians from across the blind eternities,
I have spun time around my fingers,
I know your plans before you even made them.
There is no speed, no reflex, no twitch that can save you from my mind.
You think you've got me cornered… but I'm right behind you.
Magic: The Gathering. Here I rule. And I am one of many.
Join us at hereirule.com.

Er kann Wächter beschwören, die Zeit um den Kleinen wickeln und sowieso in die Köpfe anderer Leute gucken. Und wenn du ihn in die Ecke drängst, steht er auf einmal hinter dir… fett! Das könnte ich auch gern. Muss einer dieser Planeswalker sein. Und er scheint auch um seine Kräfte zu wissen, denn: Hier ruled er. Aber wo ist “hier”? In der flackerigen Großstadt, in der sich die frappierend zeitgenössisch dargestellten Menschen mit Handy, iPod und portabler Zock-Konsole in Monster verwandeln? Offensichtlich.

Am geilsten finde ich aber das, was beim Claim “HERE I RULE” so alles mitschwingt.

HERE I RULE… and nowhere else.

HERE I RULE… weil ich teure Pappkarten kaufe.

HERE I RULE… und trotz meines sozialen Stigmatas, das ich mir mit diesem Spiel einhandle, zeige ich es euch allen!

Und so weiter. Hat jemand noch ein paar?

K u. K - Koverage und Kaiserreich

Am Freitag steigt der Flieger gen Süden. Wikipedia verrät mir, dass ein äußerst exotisches Land unser Reiseziel sein wird: Österreich. Einige Facts & Figures aus dem Land, dessen politische Parteien mit Vorliebe ein Ö in Namen tragen.

Wir steigen ein mit des Österreichers bevorzugten Art, den Löffel abzugeben:

Die Selbstmordrate ist traditionell hoch: Etwa 400.000 Österreicher sind generell von Depression betroffen, etwa 15.000 pro Jahr versuchen, sich das Leben zu nehmen; die Zahl der Suizidenten ist in Österreich doppelt so hoch wie die der Verkehrstoten: Alle sechs Stunden stirbt ein Österreicher durch eigene Hand.

Aha! Eine Milchmädchenrechnung: Ein Grand Prix dauert ganz grob zweimal acht bis neun Stunden, macht 16 bis 18 Stunden. Wenn wir von einem Österreicher-Anteil von rund 50 Prozent ausgehen, dürften wir den ein oder anderen Suizid bezeugen können. Multipliziert man das alles noch mit dem emotionalen Ungleichgewicht, das entsteht, wenn es sich der Gegner ganz frech reintopdeckt, ist die Skala nach oben hin offen. Es bleibt spannend!

Aber auch in Bezug auf die Libido hat man dort so seine Vorlieben. Schon die ganz ganz ganz ganz ganz alten Österreicher manifestierten ihre sexuellen Wünsche in Stein. Es entstand die legendäre Venus von Willendorf.

Venus von Willendorf

Sehr beeindruckend. Der Lustgewinn potenziert sich, sagt man, wenn der Akt in Melange badend und Sachertorte essend vollzogen wird. Im Anschluss, “danach”, dann eine Fahrt voller romantischer Zweisamkeit im Fiaker.

So - ich glaube, das war es schon. Bitte: Nicht ernst nehmen. Und weil ich hier mein spärliches Pulver schon verschossen habe, quasi aus der Hüfte, verspreche ich hoch und heilig und unter Eid auf Kaiser und König: Die PlanetMTG-Coverage wird frei von lächerlichen Rezitaten österreichisch-deutscher Rivalitäten sein. Österreich ist ein schönes Land, Wien eine wunderbare Stadt und Mozart war eine Schwuchtel ein großartiger Musiker.

(Bitte jetzt Michael Jackson - Heal the World abspielen.)

Man sieht sich in Wien!

Kuala Lumpur Look A Like

Die Pro Tour läuft und Brian David-Marshall ist krank. Statt seiner spielt der ungleich kompetentere Rich Hagon nun den Video Jockey. Well done, Mister British Män!

Alle sind glücklich.

Ansonsten scheinen sich auch Leute nach Malaysia aufgemacht zu haben, von denen ich das nicht erwartet hätte. In BDMs Artikel gibt es mehrere Fotos, die random Teilnehmer zeigen. Wer errät, welchen zwei mehr oder minder prominenten Persönlichkeiten diese ähnlich sehen, gewinnt eine Hafenrundfahrt mit Karl Schütz nichts.

Foto 1, der aus der Szene:
LookALike1

Foto 2, der Promi:
LookALike2

Unglaublich, diese Ähnlichkeit!

Happy Coverage Bashing vs. Lobkultur

Die Tatsache, dass der Grand Prix Stuttgart ein Limited-Event war, sowie der Umstand, dass mein neues Studium unerwartet zeitaufwändig ist, hielten mich davon ab, PlanetMTG als Coverage-Reporter zur Verfügung zu stehen.

Immerhin ließen meine hartnäckigen Absagen TobiH genug Zeit, um Ersatz zu suchen. Und den hat er in Thomas Jungmann, Huy Dinh und Mathias Passin (mit dem ich in Florenz kooperiert habe) auch gefunden. Ein gutes Team!

Mathias glänzt als Feature Match-Maschine und kann - das weiß ich aus eigener Erfahrung - getrost in jeder Runde eingesetzt werden, ohne Ermüdungserscheinungen zu zeigen.

Thomas Jungmann schien der Mann für die atmosphärisch-umschreibenden Blogs zu sein, während Huy Dinh sich als eierlegende Wollmilchsau entpuppte: Sehr lesbare und kompakte Schreibe in Feature Matches und Blogeinträgen - guter Mann! Umso neugieriger bin ich, warum er am zweiten Tag ausgefallen ist…

Nun fällt auf, dass nach einem prall gefüllten ersten Tag (ich zähle acht Feature Matches, neun Deck Features und 14 Blogeinträge!) irgendwie der Wind raus ist. Woran liegt das? Ich will versuchen, die Situation ein wenig zu beleuchten, um Aufklärung zu bieten.

Das Phänomen ist nicht neu. Bisher schwächelte jede Coverage, an der ich selbst mitgearbeitet habe, am zweiten Tag - insbesondere, wenn man sie mit dem ersten vergleicht. Das hat mehrere Gründe:

Zunächst passiert am zweiten Tag einfach weniger. Isso. Wo anfangs eine Spielerschaft von über 1.000 Individuen lustige Stories, DQs, Bilder, Skandälchen und Geschichten ausdünstet, kämpft später nur noch ein knappes Zehntel davon umso verbissener und ernster um den Einzug in die Top 8. Da schlendert man eben nicht frohen Mutes durch die Halle und unterhält seine Mitmenschen (und die großen Ohren der Reporter) mit Stories, sondern konzentriert sich auf sein Spiel.

Ein zweiter Faktor ist Müdigkeit. Und das ist kein weinerliches Geheule, sondern Fakt: Coverage-Reporter verlassen die Halle zuletzt (abgesehen von Stühleschleppern und Co.).

Hanno

Dieses Bild lügt nicht und ist in der Tat die Regel - auch für die Reporter von PlanetMTG. Die Folge ist ein hartes Schlafdefizit, da man auch pünktlich zu Beginn der ersten Runde wieder da sein sollte. Dass man so nicht - wie am Vortag - zehn Stunden konzentriert Output produzieren kann, liegt auf der Hand und ist nur menschlich. Sollte also niemandem angelastet werden (andererseits bitte ich von einer Heroisierung der Schreiber abzusehen).

Beide Defizite bekommt der Leser gewöhnlich nicht mit, sondern stellt nur fest, dass weniger Inhalt produziert wird. Da ist es nur verständlich, dass man skeptisch wird: Haben die keine Lust mehr? Sitzen auf ihrem faulen Arsch und essen Gummibärchen?

Mitnichten!

Im Falle des vergangenen GP kommt hinzu, dass Huy Dinh ausfällt (warum?!) und TobiH sich um den PlanetMTG-Draft kümmern muss. Und wenn Tobi fehlt, ist das auch wieder so eine Sache: Er ist für gewöhnlich der Einzige, der das fossile Interface der Seite beherrscht und Content platzieren kann. Als “Bottle Neck” geht jeder Beiträg zwingend durch seine Hände, bevor er veröffentlich wird.

Sollte nicht so sein. Ist aber so.

Angesichts der Situation fällt mir auf, wie wenig doch eigentlich kritisiert wurde. Einmal habe ich ungewollt boshaft gefragt, ob nach diesem mageren zweiten Tag denn wenigstens die Top 8 gecovert werden würde, ansonsten finden sich lediglich zwei Leute, die sich einig darüber sind, dass die Coverage eine “schwache Vorstellung” (Kommentare #7 und #8) gewesen sei. Hier (#1) kommt die Berichterstattung als “knapp” weg.

Bilanziert man die Kommentare unter der Coverage selbst und unter ihren Elementen (”bilanzieren” könnte man auch durch “gierig lesen” - wie wir Reporter das in der Tat tun - ersetzen), so fällt auf: Die meisten Kommentare beziehen sich inhaltlich auf die geleistete Arbeit. Sie präzisieren, stellen in Frage, fragen oder konstatieren. Der andere Teil kritisiert die Coverage selbst und ein ganz kleiner Teil besteht aus Lob für die nahezu unentgeltlich geleistete Arbeit.

Auch das ist nur natürlich: Es meckert sich eben leichter, als dass es sich lobt.

TobiH macht dabei aber einen Fehlschluss:

“Insgesamt hat die Berichterstattung vom GP Stuttgart sehr wenig Kommentare bekommen, sodass ich mich frage, ob sie überhaupt auf Interesse stößt.”

Meiner Erfahrung nach gibt nicht die Anzahl der Kommentare unter einem Beitrag Aufschluss über das Interesse an ihm. Sondern: Das, was schmeckt, wird stillschweigend genossen, geschluckt und verdaut. Wenig Kommentare bedeuten gute Bekömmlichkeit. Wenn mir etwas übel aufstößt - dann schreibe ich, klar! Aber wenn etwas meine Erwartungen einfach nur erfüllt (ohne mich jetzt zum glücklichsten Menschen aller Zeiten zu machen), dann bin ich zufrieden und ruhig.

So ist es eben:

Lob kostet Kraft, Kritik findet sich immer. Und: Wer schweigt, stimmt zu. Ausbleibende Kommentare können ein Zeichen für mangelndes Interesse sein. Im Falle der Berichterstattung des größten deutschen Magic-Turniers aller Zeiten müssen sie aber sagen: “Ist gut. Weiter so.”

Psycho-Check: GP Coverage Krakau. Eine Nachlese

Der Erdmöbel-Vergleich in der Headline meines letzten Eintrags war überhaupt nicht ernst gemeint. JensK hat ihn aber offensichtlich wörtlich genommen: Während er am Steuer saß, drohte sich unser Miet-Minivan sekündlich in ein Erdmöbel (= DDR-Deutsch für Sarg) zu verwandeln. Wie hier beschrieben. Immerhin - wir leben noch. Nach 2.000 Kilometern, vielen Litern Diesel, zwei ausstehenden und per Post zuzustellenden Fotoaufnahmen und einer überfahrenen Polin (lebt) sind wir wieder da. Hungrig und dehydriert.

Hat schonmal jemand längere Zeit mit TobiH und JensK verbracht?
Nein? Freut mich.
Ja? Beleid.

Wenn die beiden aufeinandertreffen und einer den Mund aufmacht, hört sich das immer so an:

JensK: “A.”
TobiH: “So ein Quatsch, B!”
JensK: Nein, ich weiß es ganz genau, A, weil C!”
TobiH: “Wieso jetzt auf einmal C? In welcher logischen Verbindung steht denn C zu A? Das ist ja totaler Unsinn hier jetzt solche variablen Faktoren einzubringen…”
JensK: “Ey, raffst du es denn nicht? Offensichtlich hat dir deine schlechte Schule in NRW keine Intelligenz beigebracht. ICH war ja auf der megaguten Frankfurter Random-Schule und da hat man mir beigebracht, dass A, weil C! Und überhaupt das Schulsystem in eurem Bundesland ist ja das allerletzte [10 Minuten Monolog über prekäre Schulen, unfaire Steuern und Privatversicherungen].”
TobiH: “Ja, und wo genau liegt jetzt der Grund, warum A und nicht B? Und wieso bestätigt C jetzt A? Da kam bisher nix…”
JensK: “Ja weil du es ja auch nicht verstehst! Ist doch total klar!”
TobiH: “Nein, mir nicht! Erkläre es mir.”
JensK: “Ja, äh…”
TobiH: “Ja?”
JensK: “Nö, weils klar sein sollte für intelligente Menschen.”
TobiH: “Ah.”
[…]Statler & Waldorf

Fazit: JensK verliert meistens. Patrick Meissner hat ein Modell entwickelt, den ganzen Prozess abzukürzen: Pimmel auf den Tisch. Wollten die aber nicht.

Ach ja, die anderen: Danke an Hanno Terbuyken, Felix Götze, Tobias Radloff und Patrick Meissner. Eure Menschlichkeit hat mich vor dem Wahnsinn gerettet. Wo grundlegende Sozialkompetenzen (z. B. andere Leute ausreden lassen, nicht wahr, Jens?) nicht vorhanden waren, glänzte eure gute Erziehung. Großartig.

Großartig war auch, dass man endlich mal den Herrn Pischner gesehen hat. Er ist wirklich nur ein Mensch. Und ein netter dazu. Das ändert zwar nichts an seinem Charakter als Autor im Internet, aber so ist das eben: Menschen stellen sich im Netz völlig anders und mit anderen Mitteln dar als im echten Leben. Sie verhalten sich anders, weil die Situation eine andere ist.

Soweit die Zwischenmenschlichkeit. Was Decktech und -listen angeht, kündet die Top 8 aus Krakau ein interessantes Metagame an. Es sieht so aus, als verlange das extrem gute “Sonic Boom”-Deck von Guillaume Wafo-Tapa sehr fixierte Gegenmaßnahmen in Form von massivem Discard oder ultraschnellem Beatdown. Wo Pickles und MonoU im Finale eines GPs stehen, könnte das Meta aber auch sehr kontrolllastig und langsam werden: “MonoU = bestes Deck? Na dann wirds geplayt!”

Hoffentlich nicht. Enttäuscht hat mich, dass keines der Red Skred-Decks es bis ganz nach oben geschafft hat. Shouta Yasooka hat hiermit den Vogel abgeschossen: Sein “Brave Phoenix” gefällt mir außerordentlich gut. Die Synergien von Garruk Wildspeaker mit Fertile Ground sowie Liliana Vess mit Mind Stone sind simpel, aber genial. I'll definitely give that a try.

Wir reiten auf Erdmöbeln nach Polen und schreiben drüber

Die US-Champs haben den ersten Haufen verwertbarer Decklisten ausgespien. Erkenntnisse? Elfen scheinen besser als Goblins zu sein, GB Aggro/Rack scheint gut zu sein, jedes Deck mit G spielt 3 oder 4 Garruk Wildspeaker, Gruul und Teachings sind noch da, jemand spielt Decks mit Makeshift Mannequin (hier z. B.) - und es gibt ein rotes Kontrolldeck. Meine persönliche Lieblingserkenntnis.

Ich frage mich, inwieweit die Champslisten das Meta in Krakau definieren werden. Es fühlt sich bislang so an, als hielten sich Aggro und Kontrolle einander die Waage, durchsetzt von Blinkmutationen. Interessant auch, ob sich die Japaner daran orientieren oder ihr eigenes Ding drehen.

Morgen setzen wir uns in den Kessel-Bus und fahren laut Routenplaner in ca. elf Stunden rund 970 Kilometer nach Krakau. Soll ja ein tolles Städtchen sein: 760.000 Einwohner, im November ca. 3,8° Celsius. Jacke und Mütze einpacken. Bleibt zu hoffen, dass man neben dem ganzen Covern und Henke-Ärgern auch die Zeit findet, sich die Stadt anzusehen… erfahrungsgemäß eigentlich nicht.

Apropos Henke: Ich werde endlich mal meine eigene Digitalkamera mitnehmen - das Henke'sche Gerät erinnert in Design und Funktionsweise eher an ein Fossil als an eine ordentliche Kamera. Nur einen Laptop brauche ich noch…

Ach ja - wer sich von der deutschen Spielerschaft in Krakau tummelt, wird hiermit aufgerufen ab und zu mal am Coverage-Tisch zu erscheinen und uns tolle Geschichten zu erzählen sowie uns mit Lob (und Nahrung in Form von Süßigkeiten) zu überschütten. Wer ohne Byes gegen Ende des ersten Tages X-0 steht, darf auch seine Deckliste mitbringen. Als Belohnung werde ich TobiH nötigen, ein “Danke” herauszupressen, das in dessen Wortschatzkiste irgendwo ganz tief unten vergraben liegt. Also: Visitors welcome!

Bis dann.

PS: Ich arbeite ab jetzt gegen EvilBernds Auffassung von Usability und ergänze jeden Link um ein hübsches target=”_blank”. Ha!

Pischner für Manager #1

Dass Zeit das kostbarste Gut der Menschheit ist, wird man nicht müde festzustellen. Niemand hat Zeit. Alle brauchen Zeit. Viele nehmen sich zu wenig.

Wirtschaftsbosse, Manager und Businessmen gehören zu der Sorte Mensch, die am wenigsten Zeit haben. Sie sind arme Menschen. Ergo muss geholfen werden. Möchte etwa Hartmut Mehdorn Artikel von Andreas Pischner lesen, kostet ihn das Zeit, die er nicht hat. Das Problem: Pischners Artikel sind zu lang. Allzu oft (nicht immer!) sagen sie mehr, als zu sagen nötig ist - quasi als Gegenmodell der schlanken Zeitungsmeldung überschütten sie den Leser mit mehr oder minder relevanten Informationen, ohne an prominenter Stelle die Quintessenz leicht lesbar darzustellen.

Ein gewisser “Zickzack” forderte hier:

“Man sollte mal einen “AP in Short” Blog machen der alle Artikel von AP auf eine sinnvolle Länge zusammenstutzt. Für die Leute die sich nicht immer die ganze (Über)Länge geben wollen.”

Welch genialer Einfall! Ich greife den Gedanken dankbar auf und werde in lockerer Abfolge episch anmutende Pischner-Artikel auf ihren Informationsgehalt hin überprüfen und versuchen, ein Substrat zu formulieren. Gesetzt den Fall, ich habe die Zeit, sie zu lesen. Womit wir wieder beim Anfangsproblem wären.

Die erste Folge von Pischner für Manager befasst sich mit Reality Bites, der heiß erwarteten Stellungnahme zu ausgebliebenen MU-Teamartikeln. In einem Marathon bestehend aus rund 30.000 Zeichen stellt der Teamchef dar, warum, wieso und weshalb Dinge, die versprochen wurden, nicht eingehalten werden konnten. Mehr oder minder wohlbegründete Kritik findet sich in den Kommentaren zum Artikel.

Doch was ist des Pudels Kern, worum geht's, was ist das endgültige WARUM? WARUM hinkte man hinterher?

Die allereinfachste Vereinfachung:

Das von AP durchgeführte Casting hat versagt.

Der Rest ist schmückendes Beiwerk.