Nicht berühmt!
Vergangene (wie auch diese) Woche schrieb Pischi in Unterbrechung der neunzigteiligen* Serie “Magic Decks im Wandel der Zeit” die “Geschichten aus der Gruft”. Dieser Titel kaschiert eine biografische und ungewohnt kurzweilige Serie über die Erkenntnisse und Erlebnisse des Autoren.
Es amüsiert, liest man Geschichten von damals, wie naiv man in dem Alter, oder auch zu der Zeit, es geht um Mitte der neunziger Jahre, Magic spielte. Wer könnte es besser verstehen als die Opa-Generation, die Magic in der Schule nicht spielte, weil - das gabs da noch gar nicht. Wir hatten ja nichts!
Beim Thema Naivität fällt mir speziell der dritte Teil dieser Serie ein. Die schnellen Leser haben es noch mitbekommen; der Satz “Der Jonas, von dem hier die Rede ist, ist natürlich Jonas B. […]” wurde editiert, denn zuvor stand da der vollständige Name desjenigen, den alle um Friedensfackelmaterial anhauten.
Nicht editiert von Pischi selbst, wie wir es beispielsweise aus den MU-Team Berlin (z.B. 25.10.07) Berichten kannten (PE: Hierzu sollte man klarstellen, dass es im Interesse der Autoren war, dass ich sie editierte! Auch diesem Autor stünde mein Edit besser. Kommentare?) sondern vom Seiteneditor wurde der Nachname abgekürzt und bietet nun ein Bild wie es die älteren noch von Aktenzeichen XY her kennen. “Der hinlänglich bekannte Jonas B.”
Das es im Internetzeitalter (das hatten wir damals auch nicht, was hatten wir eigentlich?) üblich ist, dass nach Personen gegoogelt wird - von Bekannten, Personalchefs oder, da ist das Internet eine langlebige Sache, auch von den eigenenen Kindern, sei nur in Erinnerung gerufen. Ihr wusstet es längst.
Im heutigem Artikel (Teil 4 - Untertitel: Pischner verliert den Faden) erschreckt er die weniger naiven Leser mit folgendem Buffy-Zitat Einleitungstext:
(In meinen Erinnerungen werdet Ihr Namen lesen, manchmal mehr, manchmal weniger. Wenn sie Tobi nicht in einem Panikanfall herauseditiert, heißt das. Ich finde das zwar falsch und unsinnig, sehe aber ein, dass man bei der derzeitigen Rechtsprechung zu Internet-Veröffentlichungen nicht vorsichtig genug sein kann.
In jedem Fall lest Ihr hier meine persönlichen Erinnerungen. “Persönlich”, das kommt von “Person”, und in diesem Fall bedeutet das nicht nur meine Person. Meine Magic-Erinnerungen haben viel mit anderen Personen zu tun, die ich nicht mit AB- oder 4711 bezeichnen werde, sondern mit ihren richtigen Namen, was es übrigens auch erleichtert zu verstehen, von wem ich gerade schreibe. Wer sie nicht kennt, dem kann es egal sein; wer sie kennt, der weiß auch, wer mit “Jonas B.” gemeint ist. Aber wie gesagt, das ist eine Sache des Editors. In meinem Blog “Zeromagic” werde ich den nächsten Tagen dann zu einigen Dingen, die in den Kommentaren angesprochen werden, Stellung nehmen; denn dort editiere nur ich!)
Was das bedeutet, leuchtet sofort ein. Wir freuen uns auf seinen uneditierten Blogeintrag, denn im Gegensatz zur Seite, die seinen Artikel veröffentlicht, ist er da auch mit seinem eigenen Kopf dran. Ungefragt** werden erneut Personen miteinander in Bezug gesetzt - gegensätzlich zum dritten Teil zumindest nicht in möglichen Zusammenhang mit strafbaren Handlungen gebracht.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: das Nennen des Namens ist unvermeidbar bei Spielreports oder Decklistenautoren. Das gebieten Anstand und Sitte, die Liste nicht “zu klauen” und unter fremdem Namen zu veröffentlichen. Offizielle Turniere auf Grand Prix Ebene oder höher werden von offizieller Seite aus im Internet veröffentlicht und der eigene Name taucht darin auf.
Ich kenne das aus der Presse. Jede Person “öffentlichen Interesses” darf diskutiert werden, bei Privatpersonen geniesst man Schutz in der Veröffentlichung. Im Pressekodex, Ziffer 8 ist es umgekeht formuliert - kommt aber auf's Gleiche raus.
Wenn Pischi also über einen bekannten Magic-Spieler spräche, könnte man von einem “öffentlichen Interesse” im Sinne der Magic-Gemeinschaft ausgehen. Selbst wenn die Deckgrösse eines vor zwölf Jahren zufällig erfolgreichen Decks moniert wird - ich habe kein Problem mit der Nennung des Deckersteller mit Vor- und Familiennamen. Aber bei Rollenspielbekannten von vor zehn Jahren? Geht's noch?
Doch Begriffe wie “privat” oder “Persönlichkeitsrechte” sind sicherlich ähnlich schwierig zu greifen wie der Unterschied zwischen Environment und Metagame. Um es abseits ethischer Normen einfach begreiflich zu machen: wer den Pischi kennt, der geniesst ohne weiteres Zutun einen exklusiven Vorteil.
Allein durch seine Bekanntschaft wird man automatisch “berühmt” und steht im Mittelpunkt “öffentlichen Interesses”. Denkt darüber nach, bevor ihr ihm die Hand gebt!
* Schätzung des Autors. Ergebnisse können abweichen.
** (so meine Vermutung, da es im Text herauskommt, dass der Kontakt inzwischen abriss)
21. Januar um 17:11
Finde ich auch völlig daneben sowas.
Das letzte was man braucht ist wenn ein zukünftiger Arbeitgeber den Namen des Bewerbers googlet und dann auf einer Kartenspielseite landet.
Zum Schluß noch mit einem Link zu einem Flamewar.
21. Januar um 17:25
vom Personalchef mal ganz abgesehen ist das Veröffentlichen alter Drogendelikte mit Vor- und Zunamen auch für die Polizei nicht so uninteressant… verjährt hin oder her…
Ich verstehe auch einfach nicht, warum AP da kein Einsehen zeigt. Will wohl mal wieder mit dem Kopf durch die Wand…
21. Januar um 17:28
warum?
ich würde den gleich einstellen… NICHT!!!
noch viel geiler ist allerdings wenn ich den namen eines bewerbers bei… “das model und der freak” ergoogle.
NO1
21. Januar um 17:44
@seanchui: doch, es ist absolut uninteressant.
zum eckhard findet man übrigens unter dem vollen namen keinen link zu “dmudf”.
aber über mich habe ich gerade herausgefunden: “Tim Michels is married to Barbara, they have three children; six year-old son Hank, three year-old daughter Sophie, and one year-old son Will.” oder auch “Tim Michels hat die Schule Gymnasium auf dem Asterstein (Gymnasium) bis zum Jahr 1998 besucht.” Naja, fast.
21. Januar um 17:47
zufälligerweise kenne ich übrigens die deutschen personalchefs zweier großkonzerne mit milliardenumsätzen und deren kriterien/vorgehen bei der auswahl neuer mitarbeiter, glaubt mir, random google shizz interessiert da niemanden.
21. Januar um 17:57
Wie heissen die?^^
21. Januar um 22:14
@TMM: Wenn das für die Polizei und Personalchefs (wäre es für meinen übrigens auch) uninteressant ist, ist das gröbste ja aus der Welt.
Ich weiß allerdings, was ich schon alles Lustiges über meine Kollegen ergooglet habe…
Ich finde einfach nur, daß man die Namen von Personen, die keine Ahnung davon haben daß sie Erwähnung finden, auch einfach nicht erwähnen sollte. Ich kürze in meinen Spielberichten auch aus Pietät die Namen, denn ich habe nicht Lust jeden zu fragen, ob er in meinem Blog erscheinen möchte. Das aber würde zumindest die Höflichkeit gebieten, wenn ich denn die Namen benutzen will.
Sicher, Jonas B. kommt nicht in den Knast und wird auch nicht gefeuert deswegen, aber verharmlosen würde ich die ganze Sache trotzdem nicht.
Seanchui
22. Januar um 08:30
Um mich mal kurz einzumischen: Ich habe auch ein wenig Einblick in die Personalarbeit eines der größten deutschen Unternehmen und ich wage mal zu bezweifeln (bin mir da zu 90% sicher), dass die Personalchefs wissen, was ihre Mitarbeiter GENAU tun. Denn diese googeln definitiv nach Personen - zumindest stichprobenartig…
22. Januar um 09:49
Es soll eine große deutsche Tageszeitung geben (wir wollen sie Bild nennen), die zerrt jeden Tag Leute ins Licht der Öffenlichkeit die dort nicht sein wollen. Und weder Politik, noch Juristerei, noch Presserat haben sie davon bisher auch nur halbwegs effektiv abhalten können. Was also ist dem Pischner seine kleine Namensnennerei schon als ein weiterer Eintrag in irgendeiner Suchmaschine?