Iserlohn a la Cartographer
Morgen allerseits.
Ich könnte jetzt behaupten, ich hätte in letzter Zeit nicht viel geschrieben, da Magic für mich keinen so hohen Stellenwert mehr einnimmt wie früher einmal. Ich könnte behaupten, ich hätte nicht geschrieben weil ich keine Lust auf Schreiben hatte. Die Wahrheit wäre das allerdings nicht. Erstens hat mich Twitter gefangen genommen und lässt mich nicht wieder los, was meinen täglichen Schreibbedarf nahezu vollständig deckt. Zweitens habe ich in letzter Zeit weniger gespielt, und wenn dann meistens ziemlich scheiße. Außerhalb von gelegentlichen EDH-Runden abends beschäftigte ich mich immer häufiger nur noch Freitags von 17:30 bis so 21:00 mit Magic. Der Deckbau und die Spielstärke litten darunter leicht bemerkbar immens.
Das gipfelte darin, das ich im Dezember in Iserlohn in Runde 1 sogar vergaß, in Turn 3 ein Land zu spielen. Ich habe daraufhin nicht nur deswegen ein paar Wochen Pause vom Turniermagic genommen. Obwohl ich immer noch nicht genau weiß, wie ernst ich dieses Spiel in nächster Zeit nehmen soll (also was Testen und ähnliches angeht) bin ich jetzt wieder wesentlich fokussierter und gelassener, auch weil mich die Deckbaulust wieder gepackt hat. Nachdem ich letzte Woche bereits mit viel Spaß ein “Sphinx-Tribal” halbwegs vernünftig (3-1) durch den FNM gebracht hatte, obwohl es in Wahrheit ein titanischer Haufen Ägypterkot war, stand diese Woche Iserlohn auf dem Plan.
Ich hatte mir noch nicht wirklich Gedanken gemacht was ich spielen wollte und war ganz froh als Alex innerhalb von ein paar Minuten ein nahezu komplettes Junddeck zusammenschraubte. Ich hätte zwar keinen Innovationsorgasmus bekommen, aber von ein paar von Jonas aufgezwungenen Testsessions wusste ich ungefähr, wie man das Deck zu pilotieren hatte. Man mag jetzt sagen, dass das ziemlich einfach ist, weil man einfach immer nur den besten Spell rauslässt, aber erstens muss man sich ja erstmal überlegen, was der beste Spell ist und zweitens gibt es ja immer noch das Sideboarding, bei dem man im Standard im Moment mehr falsch machen kann als in jeder anderen Disziplin.
Während wir Samstag abends gesellschaftsspielspielend in der Klause herumsaßen bemerkte Alex irgendwann zwischen den unendlichen Meckereien, weil das Spiel weder Magic noch Poker hieß (sondern Shogun), dass er dann doch lieber Jund zocken wollte. Da ich nicht vollkommen von Wissen unvorbelastet das Dredgedeck im Legacy auspacken wollte, musste also nach dem Heimweg so gegen 2 Uhr noch ein Deck herbei. Ich konnte dabei aus einem Pool schöpfen, der nahezu alles hatte außer M10 Länder. Ich baute mir also ein monoweißes Konstrukt zusammen, welches wie ich am nächsten Morgen bemerkte dem Cavalieri-Deck erschreckend ähnlich sah. Der Unterschied war der, dass ich einige wesentlich schlechtere Karten spielte.

Da ich aber jemand bin, der sich von schnöden Argumenten nicht so leicht überzeugen lässt, wurde auf Anraten aller nur noch die Armillary Sphere gegen Conqueror's Pledge ausgetauscht und das Deck ansonsten gleichbleibend registriert.
KoMa - Schmerzfrei in Iserlohn
// Lands
19 Plains
4 Marsh Flats
3 Emeria, the Sky Ruin
// Creatures
4 Emeria Angel
4 Baneslayer Angel
4 White Knight
4 Knight of the White Orchid
4 Kor Cartographer
// Spells
4 Day of Judgment
4 Path to Exile
4 Journey to Nowhere
2 Conqueror's Pledge
// Sideboard
SB: 4 Devout Lightcaster
SB: 3 Oblivion Ring
SB: 2 Kor Sanctifiers
SB: 2 Landbind Ritual
SB: 4 Luminarch Ascension
Obwohl ich das Deck eigentlich unkommentiert stehen lassen wollte, muss ich noch zwei Anmerkungen machen. Erstens wäre mein Deck besser gewesen, wenn die Luminarch Ascensions Inseln gewesen wären, denn dann hätte ich immerhin Quenchable Fire bezahlen können. Zweitens hätte ich mit dem neuen Kor Firewalker aus Worldwake statt White Knight einfach kein einziges SPIEL verloren. Ach ja, und die Rituale sollten wohl schon Wall of Reverence sein.
Die Fahrt begann damit, das Alex sich dachte es wäre eine gute Idee in einer dörflichen Gegend in der er sich nicht auskennt erstmal in einer Kreuz-typischen Lautstärke zu telefonieren. Als Folge dessen waren wir schon in die komplett falsche Richtung unterwegs, bis ich mich durch liebevolle Hiebe bemerkbar machen konnte. Eigentlich wären die 1-2 Kilometer Umweg auch nicht so schlimm gewesen, doch leider hatte es nachts geschneit und wir mussten dadurch durch einige Gebiete fahren, die als Räumdienst nur ein paar Esel eingestellt haben die den Schnee wegpinkeln. Dieser Zustand machte sich unter anderem dadurch bemerkbar, das wir an einer Ausfahrt trotz eingeschlagenem Lenkrad geradeaus vorbei fuhren. Grobe 45 Minuten zu spät konnten wir dann auch Martin abholen. Auf der Autobahn Zeit rausschlagen war auch nicht drin, da die Winterdienste sich wohl gedacht haben das am Sonntag 1,5 Spuren mal reichen müssen.
Trotz all dem kamen wir noch rechtzeitig in Iserlohn an, um noch die letzten paar Karten zu besorgen (Habe ich schon erzählt das ich mir wünschte ich hätte keine Luminarch Ascensions mehr bekommen?) Nachdem wir Marcel durch laute Buhrufe und allgemeine Pöbeleien davon überzeugt hatten, trotz der nur 32 Spieler im Standard 6 Runden zu spielen, konnte es losgehen.
Runde 1 gegen Monorot
In Spiel 1 brennt er mich auf 5, ich lege Baneslayer, er brennt mich noch auf 2, findet keine Outs, stirbt an Baneslayer.
In Spiel 2 lege ich sogar Turn 4 Baneslayer, aber er kann mich dank Mark of Mutiny totbrennen.
Im letzten Spiel lege ich den Baneslayer, als ich noch auf 20 Leben bin. Da helfen auch zwei Mark of Mutiny nicht mehr.
Ich boarde hier genauso wie in allen anderen Spielen gegen Monorot -4 Day, -2 Journey, +2 Landbind Ritual, +2 Kor Sanctifier, +2 Devout Lightcaster (Pearled Unicorn ist besser als Wrath…)
1-0 (2-1)
Runde 2 gegen Shimster mit Jund
In Spiel 1 scheint mir die Sonne aus allen Körperöffnungen. Er zieht verflucht wenig Removal und ich kann ihn ganz famos racen. Das zweite Spiel verliere ich dann ordnungsgemäß, und im dritten Spiel kann ich multiple Garruks auskontrollieren. Das Match gewinne ich nur durch die fehlende Erfahrung meines Gegners, der Blightning rausgeboardet hat.
2-0 (4-2)
Runde 3 gegen Monorot
Spiel 1 kann ich ihn mit White Knight, Emeria Angel, Kor Cartographer und ungefähr 100 Tokens racen, da er eine langsame Hand zieht. Spiel 2 hat er den übrig gebliebenen Burn. Spiel 3 legt er Turn 2 Geopede, ich Journey, er Ball Lightning, ich Path, ich Kor Cartographers, er MANABARBS. Ich geh dann durch die Barbs auf 15, lege Emeria Angel, Fetchland und verhaue ihn mit Tokens (und nach dem Abstellen des ersten mit dem zweiten Engel.)
3-0 (6-3)
Runde 4 gegen Dennis Nolte mit Jund
In Spiel 1 hat er wieder nicht genug Removal für meine Engelhorden. Dann gewinnt Garruk auf 8 Marken und Sprouting Thrinax, den er sich mit einem eigenen Maelstrom Pulse zerstört und Doppel Oran-Rief. Nein, ich ziehe keinen Day of Judgement. Spiel 3 hält er eine landintensive Hand und zieht irgendwann auch nochmal 8 Länder in a Row. Das heißt, ich kann ziemlich knapp mit Lightcaster-Beatdown gewinnen.
4-0 (8-4)
Runde 5 gegen Philip Volk mit Monorot
Ach, Monorot? Da hab ich ja noch gar nicht gegen gespielt. Im ersten Spiel kann er mich umfahren, im zweiten ich ihn, und im dritten bleibt er mit zwei Geopeden auf 2 Ländern stehen, während ich ein paar 2/2er mache und auf vier Ländern stehen bleibe. Der epische ereignislose Topdeck-War wird dann von ihm mit Fetchland + Earthquake für 2 entschieden. Als ich 2 Runden später immer noch kein fünftes Land für meine inzwischen 3 Baneslayer Angel auf der Hand ziehe, schüttele ich ihm die Hand.
4-1 (9-6)
Runde 6 gegen Mao Qiling mit Jund
Inzwischen erkenne ich ein leicht zu übersehendes Muster in meinen Matchups. In diesem Spiel werde ich aber leider weder von meinem Gegner noch von seinem Deck unterstützt und gehe sang- und klanglos unter.
4-2 (9-8)
Am Ende reicht es für den 7. Platz und unglaubliche 5 Booster. Das Deck ist sicherlich ausbaufähig, wobei man aber bei den richtigen Ausbauten am Ende eh wieder bei der Cavallieri-Liste landet. Lustig war es trotzdem.
Den Rückweg legen wir dann so mit Durchschnitt 80km/h zurück, da es seit unserer Abfahrt wohl ununterbrochen geschneit hat und der Schneepflug bei dem Sauwetter lieber daheim geblieben ist.
PROPS
[+] Schlappeseppl
[+] Kor Cartographers in den Top 8. So broken.
[+] Besser gegangen als bessere Leute mit besseren Decks.
SLOPS
[-] 1 Stunde zwischen Turnierende und Preisverleihung.
[-] Keine Ligapreisauszahlung.
[-] Keine Top8-Fotosession. Und dabei wollten doch alle unbedingt meinen maskulinen Körper sehen.
PS: Ja, ich verstehe das die Slops nur aufgrund des Stresses wegen dem Ligafinale aufkamen und verstehe die Problematik. Trotzdem bin ich Blogger und muss dem Klischee entsprechend am Ende noch ein bisschen rumheulen.
Feierabend.