Grundlagenforschung
— 11-06-2009 —
Weitere Fragen zu den Regeländerungen und Antwortversuche.
Wieso eigentlich Regeländerungen??
Gerade in Amerika sagt man ja ganz gerne: “Never change a running system.” Daraus lässt sich ableiten, dass es mit Magic vielleicht doch nicht so gut bestellt war, wie man ob der vielen “Magic ist tot”-Verneiner vermuten könnte.
Die Situation ist derzeit ungefähr dieselbe, wie die der Bundesregierung in Bezug auf die Renten. Wir haben viele Alteingesessene, aber kaum jemanden, der von unten (quasi die Jüngeren/Einsteigenden) nachrutscht. Letztlich zeichnet sich fast schon eine umgedrehte Pyramide ab (so rein demographisch gesprochen).
Jetzt ist es weiterhin so, dass die “Alten” im Magic abhängig von den Jüngeren sind, zumindest in einem Bereich, nämlich dem Turnierspiel. Wenn hier viele Ältere “abspringen” und kaum “Frischfleisch” nachkommt, steht die Turnierszene vor einem Problem. Und genauso ist es bereits. Mir liegen zwar keine Zahlen vor, aber wenn ich mir als jüngstes Beispiel den PTQ in Dortmund letzte Woche anschaue, fühle ich mich mehr als nur bestätigt. Bis auf Pascal (”der Finanzhai”) gab es wohl niemandem im Raum, der nicht schon fett Haare am Sack hatte (bei der einen Mitspielerin mutmaßt man noch) und dementsprechend abseits der 14 Jahre war. Und das im Ruhrpott, dem einwohnerreichsten Bundesland (die Qualität dieser Einwohner mal außer acht gelassen).
Wieso gibt es kaum Nachwuchs??
Es gibt da noch dieses andere Spiel (eigentlich sind es mehrere, aber ich nehme nur dieses eine, die Begründungen sind für die anderen Spiele dieselben), das es wie kein zweites versteht die Gunst der Jugend an sich zu binden. Die Rede ist offensichtlich von Yu-Gi-Oh! und die Gründe für die große Popularität des Spiels sind dreifach:
- das Spiel ist relativ einfach; es gibt keine 50+ Sonderfähigkeiten, die man “übersetzen” muss, weil alles was man braucht auf den Karten selbst steht - das Konzept mit den Fallenkarten und dem Kampf kriegt man ebenfalls in fünf Minuten erklärt
- die überwiegende Sprache für das Spiel ist deutsch; ergo gibt es noch weniger zu “übersetzen” (das wird auch gerade bei Kindern mit Migrantenhintergrund sehr deutlich, die entsprechend nicht zweimal “übersetzen” müssen)
- es gibt da diese TV-Serie…
Wenn man also in dem Alter ist, wo aus dem Spielplatz plötzlich der Schulhof wird und man ins Hobbyalter kommt, welches Spiel wird man dann spielen?? Das, wo man die Hintergründe bereits aus dem Fernseher kennt und bei dem der Einstieg ungefähr so schwer ist, wie ein aufgeblasener Luftballon, oder das, wo eher das ältere Semester relativ eingeschworen rumzockt, mit einem erschlagenden Bündel an Fremdwörtern in englischer Sprache nur so um sich wirft und “selbsterklärend” höchstens mal in Schrägschrift daherkommt??
Zwischenfazit
Magic sollte einfacher werden. Das weiß man auch bei WotC, immerhin will man Produkt verkaufen und Produkt verkauft sich eben besser an Leute, die noch keinen 24/7-Zugang zum Internet haben und entsprechend eher zu Toys R'us oder dem Fantasy-Laden um die Ecke watscheln, um dort für teureres Geld ihre zwei Boosterpackungen die Woche abgreifen.
Jetzt bringt es aber nichts, wieder so etwas wie Portal in die Läden zu bringen, denn das wird keiner der gerade erwähnten älteren Semester immer bei sich haben, um dem gerade über die Tischkante guckenden Kid ein paar Sorceries Hexereien und Kreaturen in die Hand zu drücken.
Auch die als WPN-Level getarnte Drückerkolonne (so die Sache mit den Mindestneuanmeldungen pro Quartal, sonst keine GPTs mehr (gibt es noch GPTs??)) brachte nur bedingten Erfolg.
Also gilt es das Spiel einfacher zu machen.
Ist das gut??
Es wäre gut, wenn dabei für die aktiven Spieler nicht so viel auf der Strecke bliebe.
Jede der Änderungen (okay, der Mulliganteil nicht), die man uns auftischte, macht eine oder mehrere (öfter mehrere) Karten schlechter, weil weniger reich an Optionen. Es fühlt sich an, als hätte man 50% der existierenden Magic-Karten kastriert. Schnipp-schnapp, Schnibbel ab. Und ich rede dabei nicht nur von dem Combat Damage Desaster. Wie glaubwürdig ist eigentlich eine Regeländerung, für die man direkt eine Ausnahme (Deathtouch) einführen muss, damit es nicht zu offensichtlich ist, wie unsauber man da beschnitten hat??
Zvi Mowshowitz schrieb zum Beispiel (Pflichtlektüre btw!!) zum Combat Damage:
“It is not obvious at first glance whether this adds or subtracts strategic depth from the combat itself, although it is almost certain at least in the short term to decrease the strategic depth of people’s decks and cards. There are clear scenarios it makes less interesting, and clear scenarios it makes more interesting but the ones where it gets more interesting it does so by disincentivising the player to have the cards in question in the first place because he no longer has a clean option available. Yes, as Aaron Forsythe has pointed out when you block with a Nantuko Husk and a Siege-Gang Commander you can change the situation from one where I have a clean option that wins me the combat into one where I have several options and it is not clear which one is best (technically that’s a double block but it’s the same idea). There will also be cases in which I used to have multiple good options and now have only one left. The problem is the most likely response to this is to not play with Nantuko Husk and Siege-Gang Commander. The deck in question is probably now unplayable.”
und auch:
“To summarize the strategic implications, Magic will become strategically simpler and involve less skill. We will see more creatures with high power and high toughness and strong inherent always-on abilities. We will see less creatures with activated abilities such as regeneration, pumping abilities and especially sacrifice abilities. We will see more creature removal at the expense of pump spells, bounce spells and damage prevention. As cards rotate the cards may adjust to somewhat mitigate these effects.”
Fazit
Magic wird also einfacher, weil weniger komplex. Wird das aber das jüngere Volk dazu bewegen, sich mehr mit Magic auseinanderzusetzen?? Ich denke nicht. Es gibt es eben immer noch 50+ Sonderfähigkeiten, die sich hinter kryptischen Bezeichnungen wie “Exhume”, “Sweep” und “Affinity” verstecken und den Einstieg erschweren und die acht Events im Jahr in denen man dazu verdammt ist mit deutschen Karten zu spielen, machen den Braten meines Erachtens auch nicht fett.
Zumal es dem Spiel an gutem Einstiegsmaterial fehlt. Die Intro-Packs sind da sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es ihnen an reiner Kartenmasse mangelt, da 40 eben nicht gleich 60 (da macht auch der Booster nicht viel) und man mit seinen zwei Rares immer noch recht ohne Hosen dasteht.
Yu-Gi-Oh!-Spieler haben es da einfacher. Die bekommen Decks mit allen erdenklichen Tournament-Staples schön spielfertig verpackt. Natürlich geht das zulasten des sekundären Kartenmarkts, aber das interessiert die Neulinge zunächst wenig. Die neuen Duel Decks gehen scheinbar in diese Richtung, haben aber immer noch das Problem, dass sie zu komplexe Karten haben und nur in englischer Sprache erhältlich sind. Ich blätterte gerade durch das Divine vs. Demonic und mit Akroma, Angel of Wrath ist wohl alles gesagt.
Meines Erachtens sollte man sich mit dem Status des Spiels abfinden und aufhören Magic in eine Parklücke zu bugsieren, die schon seit Jahren zu klein ist. Stattdessen könnte eine Auflockerung der FNM-Formate zu einem besseren Ergebnis führen. Bietet man dort zum Beispiel Highlander, Pauper und 2HG an, erreicht man eine Spielergruppe, denen man nicht erst das Spiel beschneiden muss. Aber dieser Gedankengang ist noch relativ unausgegoren…

Abr ob dr Ruhrbodd grüns Lichd im Bundesrad gibd für d Teilnahm vo abseids 14-Jährige an FNM-Turniere?
Eur Klaus-Michal
Deckt sich weitestgehend mit meinen Ansichten.
So be it, master!
Guter Artikel. Auch der von Zvi.
Wenn ihr wollt könnt ihr auch die Petition unterschreiben.
Give Stacked Combat Damage a chance!
http://www.thepetitionsite.com/1/give-stacked-combat-damage-a-chance
Und nein, ich unterschreib sowas eigentlich sonst nicht. Eigentlich ist das die zweite die ich unterzeichen. Die erste war die E-Petition für den Bundestag wegen der Internetzensur.
Klaus-Michael ist unlustig.
Der Blog ist toll. OMG, an den Siege-Gang Commander habe ich bisher gar nicht gedacht (blieb schon am offensichtlichen Mogg Fanatic und Putrid Leech hängen).
MfGM.
@DasManuel: Putrid Leech wird nicht wirklich schlechter, außer vllt bei Doppelblocks mit ihm.
Mogg Fanatic ist ja uU noch spielbar, aber Baloth und Lyzolda sind absolut unspielbar geworden.
Zu dem non-stacked Combat Damage wurde ja eh schon alles gesagt.
Weils unlogisch und kompliziert ist…. bei YGO kan man die gleiche Falle/Spell nachdem man sie als Kosten “geopfert” hat noch als Effekt für einen (Quick)Spell opfern
Allerdings versteh ich nicht was die Doppelblock-Regel soll. Trample ist doch die komplizierteste Fähigkeit die in Core-Sets vorkommt(Jetzt ist es wohl Deathtouch) und die alte Regelung war doch recht logisch und einfach zu verstehen.
jetzt wird es vielleicht ein wenig philosophisch (beziehe mich nur auf combat-damage änderung) …
gesetz des falles X karten werden schlechter (z.B. MoggFanatic …) bedeutet das dann, dass alle anderen Karten ein Stück weit besser werden und sich somit nur die Spielstärke einzelner Karten verlagern wird (z.B. alle Kreaturen die nun nich mehr am mogg sterben werden im ausgleich etwas stärker) ? Oder hat es eher mit genereller Abwertung von Karten des Typs Kreatur zu tun ohne irgendeinen gegenwert zu erhalten ?
Magic ist kein Spiel, das mit massiver Werbung und medialer Präsenz auf sich aufmerksam macht , sonder eher durch Mundpropaganda.
Ich hätte es daher für besser gehalten , den vorhandenen Spielern Anreiz zu geben neue zu “rekrutieren” - so nach dem Motto :
“Bring Deinen kleinen Bruder oder seinen Kumpel mit zum FNM und erhalte eine tolle Überraschung!”
Magic war und ist gut und passt in keine Schublade. Deshalb spiele ich es ja.
Die Gedankengänge vom guten KMB sind fundiert und klar dargelegt. Nur wo habe ich das schonmal gehört….
*spins the wheel of time, backwards*
6th Edition!!! Der Untergang des Abendlandes stand schonmal bevor.
Was heissen soll: Es wird überstanden werden.
Sorry, aber EvilBernds Gedankengänge sind zwar gut dargelegt, aber nicht fundiert.
Alleine den Umstand der Popularität Yu-Gi-Ohs auf drei Faktoren zu reduzieren, die zudem rein subjektiver Bewertung unterliegen, widerspricht jeder Grundlagenforschung. Aber wir wollen ja nicht wirklich die Strukturen erforschen, in die die Kiddies heutzutage eingebettet sind. Ursachen zu finden, warum Konsumenten Produkt A den Vorzug vor Produkt B geben, ist eine Wissenschaft für sich.
Und das bringt mich zum eigentlichen Knackpunkt dieses Beitrags. Der Autor hat die Ansicht verinnerlicht, dass Yu-Gi-Oh die einzige Konkurrenz für MTG darstellt. Das impliziert die Aussage, dass wenn es Yu-Gi-Oh nicht mehr gäbe (oder es weniger erfolgreich wäre), automatisch mehr Nachwuchs bzw. Interesse für MTG vorhanden wäre.
Dem ist nicht so. Aus gleichen Gründen wie vorher schon genannt. Die individuelle Freizeitgestaltung unterliegt genauso einem Wandel wie die Gesellschaft.
Stimmt…es erinnert daran bei Schach ein paar Figuren abzuschaffen weil die Marketingabteilung erkannt hat das viel mehr Leute Dame spielen und dort auch die Regeln einfacher sind.
djzaus,
“Oder hat es eher mit genereller Abwertung von Karten des Typs Kreatur zu tun ohne irgendeinen gegenwert zu erhalten?”
Nein. Da sich alles im Rahmen der Kampfphase ohne Intervention anderer Sprüche abspielt, werden auch Kreaturen dadurch aufgewertet. Beispiel:
Ein Sakura-Tribe Elder kann derzeit folgendes: Die gegnerischen Savannah Lions totblocken UND ein Land suchen. Demnächst wird sich der Elder-Spieler entscheiden müssen, welches der beiden Resultate wichtiger ist. Das macht den Elder schlechter und die Löwen besser.
So ein Blödsinn. Wieso sollte sich die Qualität des Löwen verbessern, sobald die Anzahl der taktischen Möglichkeiten des Elder geringer wird?
Der Löwe bleibt nur unverändert gut, der Elder wird schlechter. Da gibt es keine zwingende Kausalität, dass wenn etwas schlechter wird, sich etwas anderes verbessert.
Tja, da hat wohl einer von uns beiden nicht zu Ende gedacht. Tip: Ich bin es diesmal nicht.
Komm, gib mir noch einen Tip. ^^
;>
Ich finde, das Beispiel zeigt das doch sehr schön: Wenn ich nen Löwen hab und mein Gegner tauscht durch den Elder heute gegen mich 2:1 im Angriff, dann hab ich von meinem Löwen in einem Monat in derselben Situation mehr, weil er nicht mehr kartenvorteiltechnisch abwärts tauscht.
Im Rahmen dieser Situation wird der Löwe sogar ganz exakt um so viel besser wie der Elder schlechter wird.
Achso, du hast gar nicht die Karten an sich miteinander verglichen, sondern nur vor dem Kontext der dir bekannten Spielsituation, wo Löwen gegen Tribe Elder kämpfen.
Ob sich Djzaus auch für die Vergleiche anderer Spielsituationen interessiert?
Wären ja nur mindestens 10.000….*pfeif*
habe gerade einen draft auf modo gemacht.
dabei habe ich jede combatphase so richtig genossen und mich sogar über volcanic fallout meines gegners nach damage auf dem stack gefreut. vor allem als ich mit meinem call to heel auch noch das unsommon nachgezogen habe. hatte ja auch schon verbrannt gerochen hehe.
und jetzt denke ich mir gerade:
ey nee, ich will nicht das sich die regeln ändern!!! das spiel hat mir so wie es jetzt ist viel spaß gemacht und ich habe angst dass das nach der änderung nicht mehr so ist… und dann brauchen sie wieder 10 jahre bis die änderung rückgängig gemacht. :-(
“Ob sich Djzaus auch für die Vergleiche anderer Spielsituationen interessiert? Wären ja nur mindestens 10.000….*pfeif*”
Ich denke, Dir ist selbst nicht wirklich klar, worauf Du hiermit hinaus willst. Auf die Karte an sich? Na dann behaupte ich doch einfach: Der STE ist ja überhaupt nicht schlechter geworden! Zeig doch erstmal das Gegenteil, und zwar ohne eine Spielsituation zu benutzen.
Im Auspfeifen von Minderheiten waren Leute mit zuviel Adrenalin im Blut schon immer notorisch gut; und im zusammenhängenden Denken leider schon immer notorisch schlecht. Zu einer wirklichen Diskussion wird uns dieses Thema daher wohl nicht mehr führen…
@Slim: “Der Autor hat die Ansicht verinnerlicht, dass Yu-Gi-Oh die einzige Konkurrenz für MTG darstellt.”
Der Autor ging eher davon aus, dass wenn jemand sich generell für den Themenkomplex TCG interessiert (im Englischen sagt man da “to be in the market for”, da gibt es leider keine nette Übersetzung), dann wird er sich, so es sich um die beschriebene Gruppe handelt, wohl aufgrund der genannten Gründe eher für YGO als für MTG entscheiden.
Vielleicht mit dem Autokauf vergleichbar. Ich bin nicht mehr auf der Stufe, wo es darum geht, ob ich mir ein Auto kaufe, sondern auf der, wo die Frage ist, welches.
Die Autoanalogie passt. Der gesamte Markt wird hart gefickt, und Magic macht dabei den Opel und steht besonders hässlich da.
@pulp:
autoanalogie ja:
als würde mercedes seine produkte abspecken um für die leute interessant zu werden die an die abwrackprämie rankommen wollen.
dumm nur das diese leute sich trotzdem keinen mercedes kaufen werden :-(
“Ob sich Djzaus auch für die Vergleiche anderer Spielsituationen interessiert?
Wären ja nur mindestens 10.000….*pfeif* ”
Tja, und in einigen davon (z.B. gegen Tribe-Elder, MoFa) wird er aufgewertet, dagegen wird er durch die neuen Regeln in genau keiner Situation abgewertet. Ergo wird er insgesamt aufgewertet. Oder hab ich da was falsch verstanden?