Von Zendikar Limited bis zu ganz anderen Sachen
Puh, jetzt ist es schon wieder eine gaze Weile her, seit ich meinen letzten Eintrag verfasst habe. Das liegt vor allem daran, dass ich momentan auf der Arbeit arg eingespannt bin. Man sollte es zwar nicht vermuten, aber auch als Informatiker merkt man wenn das Jahr zu Ende geht. Alle Kunden wollen noch schnell schnell ihre geplanten Änderungen oder Neuerungen durchführen.
Aber gut, für die bunten Karten bleibt auch noch Zeit. So habe ich bisher schon einige Drafts mit Zendikar spielen können. Und ich muss sagen: entweder sind die von vielen Seiten beschriebenen Gegebenheiten des Formats bei uns nicht angekommen, weil wir zu schlecht sind, oder aber die Gegebenheiten sind nicht so extrem. Ersteres würde ich an dieser Stelle allerdings ausschließen wollen, wenn ich mir die Liste der Namen ansehe, mit denen ich spiele.
Kontrolle lässt sich nicht draften? Falsch.
Aggro > All? Falsch
Midrange resultiert aus nicht erfolgreichem Aggro-Draft und ist sonst nicht vorhanden? Falsch.
(Achtung:
man bemerke, dass ich hier meine eigene Meinung vorstelle. Ich erhebe keinerlei Anspruch darauf, dass diese Meinung die einzig wahre oder die richtige ist. Das kann und muss jeder für sich selbst entscheiden!)
Kontrolle
Es mag sein, dass sich klassische Kontrolle, wie man sie aus anderen Formaten kennt, nicht sehr gut draften lässt. Aber dann muss man sich eben den Gegebenheiten des Formats anpassen. Wozu gibts es denn Karten wie Kraken Hatchling und co? Eine Karte, die im frühen Spiel effektiv jede Runde Schaden verhindert stört den Aggro-Spieler sehr wohl. Und selbiger hat auch nicht immer (eher sogar in den seltensten Fällen) eine Kurve mit zB Turn 1 Lacerator, Turn 2 Marauder, Turn 3 Shortcutter + Removal.
Und wer sagt denn, dass man mit multiplen Kraken Hatchling und Bounce-Sprüchen nicht gegen Aggro gewinnt? Das “Lategame” fängt in diesem Format eben einfach früher an. Wenn man dem Aggro-Spieler einen Hatchling vor die Nase setzt und noch einmal einen Angreifer auf die Hand schickt, kann man sehr wohl seine Windrider Eel und Sky Ruin Drake spielen. Da muss man sich nicht verstecken. Und man ist dann auch durchaus noch bei genug Leben. Und ab da sollte eh jede Kreatur mit Power den meisten gegnerischen Kreaturen überlegen sein.
Man darf Kontrolle in Zendikar also nicht mir klassischer Kontrolle vergleichen. Man muss den Begriff einfach auf das Format anpassen. Und schon ist es kein großes Problem mehr. Das soll zwar nicht heißen, dass man dann jedes Spiel gegen Aggro gewinnt. Aber es ist nicht, wie oft dargestellt, ungewinnbar!
Aggro > All?
Wie oft habe ich es nun schon gesehen, dass Aggro-Decks nach anfänglicher Offensive nach 2 großen Kreaturen auf der gegnerischen Seite einfach nichts mehr machen. Klar, es kann das Removal haben. Muss aber nicht. Deshalb meine Meinung: Will man wirklich erfolgreich ein sehr sehr aggressives Deck spielen, muss man die letzten Schaden durch einen Burnspell oder aber durch eine umblockbare Kreatur erzwingen.
Beispiel am Freitag: Ich habe ein wahrlich nicht sehr gutes U/G-Deck gedraftet, welches einfach sehr langsam war. Ich spiele gegen einen R/B-Aggro-Build. Spiel eins bin ich colorscrewed, weswegen er es doch recht leicht hat. Spiel zwei ziehe ich gut. Ich kann einen Grazing Gladehart spielen und danach ein Oracle of Mul Daya. Da konnte er machen was er wollte, mit seinem Aggro-Deck hatte er hier schon verloren. Ich habe dann einen oder zwei Züge später noch einen Sky Ruin Drake gelegt. Ab da war das Spiel endgültig entschieden. Spiel drei wiederum hat er einen guten Start mit Surrakar Marauder und Adventuring Gear. Dann zwei Allys und doppel Hagra Diabolist. Und selbst in dem Spiel hätte ich mich fast noch stabilisiert! Wäre mein Deck also etwas besser gewesen, wäre da durchaus ein Sieg drin gewesen!
Diese Aussage führt mich dann auch schon zu:
Midrange
Midrange soll es also angeblich nicht geben. Interessant. Nun kann man Midrange sicher auf verschiedene Arten definieren, allerdings ist es meiner Meinung nach sehr wohl vertreten. Ich lege Turn eins bis zwei (oder auch noch drei) eher defensive Kreaturen und danach starke Tiere mit CC 4 und 5. Ist meiner Meinung nach schon Midrange und kann Aggro nach meinen Erfahrungen oftmals schlagen. Und man kann dieses Deck auch durchaus direkt draften. Es kommt nicht nur durch einen misslungenen Aggro-Draft zustande!
Ich bin froh, wenn ich ein Deck mit multiplen Giant Scorpion habe. Wenn dann auch noch Disfigure und/oder Hideous End und/oder Marsh Casualties dazu kommen, vielen Dank! Dann nehm ich gerne mal einige Nimana Sell-Sword über andere Sachen, weil die dann plötzlich sehr gut sind (aber nicht nur dann, die sind auch so super!).
Aber gut, das kann jeder entscheiden wie er will. Sind ja nur meine Meinungen und Erfahrungen.
Lernprozesse
Nun aber mal zu etwas anderem.
Früher habe ich mich beim Spielen etwa in der Form verbessert: Ich spiele in meinem Zug in der ersten Hauptphase einen Instant, den ich auch im EoT des Gegners hätte spielen können. Der Gegner weist mich darauf hin, ich merke mir das. das nächste mal mache ich das besser.
Heute ist das ganze etwas subtiler. Dazu ein Beispiel:
Letzten Mittwoch beim Draft. Ich spiele ein aggressives R/B-Deck mit vielen 1- und 2-Drops. Mein Gegner in der letzten Runde spielt ein sehr defensives Deck mit zwei (!) Eternity Vessel, Hedron Crab, multiplen Kraken Hatchling. An wirklich Power hatte er im Deck nur eine Welkin Tern und einen Living Tsunami. Dazu noch Goblin War Paint.
Spiel eins lege ich direkt Vampire Lacerator, er Kraken Hatchling. Ich Surrakar Marauder, er Goblin War Paint. Dadurch kann ich nur noch mit meinem Marauder und Intimidate angreifen, ein Removal ziehe ich nicht. Jedenfalls legt er auf 17 Leben Eternity Vessel. Kein Problem, mein Vampire Hexmage kann das Problem lösen. Den zweiten Vessel einen Turn später kann ich nicht mehr abschaffen. Ich habe zwar noch Lösungen im Deck, aber die schafft er mit der Krabbe ab. Naja, dumm gelaufen.
Egal, ich habe vor dem Deck nicht wirklich Angst. Und so gehe ich ins zweite Spiel, um das es mir hier eigentlich geht:
Ich starte wieder mit Lacerator, er mit Hatchling. Ich Highland Berserker, er War Paint. Schon wieder. Ich lege Kreaturen nach, während der Vampir an mir knabbert. Ich spiele Crypt Ripper, er hat Burst Lightning. Bei mir folgt ein Bladetusk Boar. Ich bin dann irgendwann auf 12. An dieser Stelle ziehe ich das Removal für seinen Hatchling nach. Er legt im Zug darauf aber direkt Welkin Tern und Living Tsunami.
Ich greife ihn an, er wäre im nächsten Zug tot. Er greift mich an, ich bin im nächsten Zug tot. Ich greife an, er hat Into the Roil, ich bin tot.
Ich habe lange gedacht, ich hätte in dem Spiel nicht gewinnen können. Doch, hätte ich! Und ich habe sogar zwei dicke Spielfehler gemacht, die mir erst nach langem Überlegen aufgefallen sind.
1: Der Lacerator macht auf meiner Seite nichts, außer mich Leben kosten. Also muss ich in den Hatchling angreifen. Zwar hat er nur 6 Power im Deck, aber er hat sie eben. Und mit denen muss ich rechnen. Hätte ich den Lacerator entsorgt, hätte mir das am Ende einen Zug mehr gegeben, in dem ich gewonnen hätte.
2: Ich lege mit einer Hand aus Crypt Ripper und Bladetusk Boar zuerst den Crypt Ripper. Ein super blöder Fehler. Ich weiß, dass er Burst Lightning spielt. Also muss ich an der Stelle den Boar legen. Den muss er nämlich auch entsorgen. Danach habe ich dann den Ripper, mit dem ich auch in den Hatchling locker angreifen kann. Auch der hätte das Spiel vermutlich gewonnen.
Früher hätte ich solche Fehler nicht einmal bemerkt! Ich hätte gedacht “Hm, sein Deck war gegen meins eben einfach zu gut”.
Heute denke ich mir, wie blöd ich war, das Spiel noch zu verzocken! Aber gut, man lernt ja immer noch dazu.
Jetzt habe ich viel zu viel geschrieben und wende mich mal wieder meiner Arbeit zu. Und freue mich derweil schon auf Paris! Vielleicht sieht man sich ja dort!
Nächstes mal kommen dann auch die “anderen Sachen” mehr zum Vorschein
Bis dahin,
evil-one
Gepostet in Allgemein | 6 Kommentare »